Veröffentlicht: 1. Februar 2015
Temmentec AG

Schweizer Qualität aus Sumiswald

«Swiss made» verkauft sich gut. Das weiss auch die Firma Temmentec AG. Sie produziert Kosmetika im Emmental und trägt die Marke Schweiz über die Landesgrenzen hinaus. Aber nicht in eigenem Namen, sondern als Outsourcing-Partner.

Jeden Tag verwenden wir pflegende Kosmetika, wie etwa Cremen, Duschgels oder Lippenpomaden. Doch sind wir uns eigentlich bewusst, wo diese hergestellt werden? Die wenigsten lesen die kleine Schrift auf der Rückseite, die sowohl über die Inhaltsstoffe als auch über den Herstellungsort informiert. Ein Trend hin zu Schweizer Qualität ist seit mehreren Jahren, auch im Ausland, spürbar. «Die Käufer wollen wissen, woher die Produkte stammen. Und die Marke Schweiz verkauft sich gut», sagt Adrian Meyer, COO der Induchem Gruppe. Steht auf der Rückseite «Made in Switzerland», ist es möglich, dass die Temmentec AG das Produkt hergestellt hat. In Sumiswald produziert die Firma pflegende Kosmetik, füllt sie ab und verpackt sie auch. Selbst tritt sie mit ihrem Namen aber auf dem Artikel nicht in den Vordergrund. Sie ist also ein Lohnhersteller, auch als Outsourcing-Partner bekannt, der im Namen anderer Firmen produziert.

10’000 Quadratmeter Produktionsfläche

Die Temmentec AG hat zurzeit 130 Vollzeitangestellte. Chemiker, Drogisten, Betriebsökonomen und auch Berufsleute für Herstellung sowie Abfüllung arbeiten in den Hallen der Firma, die sich mitten im 5’000-Seelen-Dorf befindet. Vom Sitzungszimmer eröffnet sich der Blick direkt auf die Dorfkirche und die Dorfverwaltung – und nicht etwa auf ein Industriegebiet, wie man es sich denken könnte. Die Produktionsfläche von 10’000 Quadratmetern wird einem erst beim Rundgang durch die Produktionshallen richtig bewusst – ohne Führung würde man sich glatt verlaufen. Der Rundgang beginnt beim Personaleingang, geht zur Anlieferung der Rohstoffe weiter und endet bei den fertig verpackten Kosmetikprodukten. Der Besucher kann mitverfolgen, wie Kosmetik entsteht. Da in der Kosmetikherstellung bezüglich Hygiene strenge Vorschriften zu befolgen sind, kleidet sich der Besucher vor dem Rundgang mit Kittel, Haarhaube, Überzug für die Schuhe und Schutzbrille ein.

Aus Wasser und Öl bestehend

Nachdem wir den Mitarbeiterbereich passiert haben, stehen wir vor der Anlieferung der Rohstoffe. Diese werden je nach Anwendung entweder in Fässern oder in kleinen Plastikbehältern angeliefert. Gewisse Wirkstoffe braucht es beispielsweise nur in winzigen Mengen. Deshalb stehen diese dann auch im kleinen Verhältnis zu den grossen Behältnissen der pflegenden Öle, die in höheren Konzentrationen in der Kosmetik verwendet werden. Ein Hautpflegeprodukt ist eine aus Wasser und Öl bestehende Emulsion, zu der Wirkstoffe in kleinen Mengen beigemischt werden. Zur Sicherstellung der Qualität der Kosmetikprodukte wird beim Wareneingang von jedem Rohstoff eine Probe entnommen und überprüft. Nach der Freigabe erfolgt die Verwiegung, sozusagen ein Mise en Place der einzelnen Roh- und Wirkstoffe, die für ein Produkt nötig sind. Diese werden anschliessend zu einem Kosmetikprodukt gemischt.

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Auspackerlebnis ermöglichen

Grosse Mischanlagen stehen in verschiedenen Räumen der Bulkherstellung und erlauben die Erzeugung von flüssigen Produkten von bis zu zehn Tonnen pro Ansatz. Moderne Technik ermöglicht höchste Effizienz in der Produktion, sodass schnell von der Herstellung eines Produkts zum nächsten gewechselt werden kann. Wir verlassen die Räumlichkeiten der Fabrikation und erreichen die Hallen der Abfüllung und Konfektionierung, in denen reger Betrieb herrscht. Maschinen befüllen automatisch Tuben, Dosen und Flaschen, die hier auch gleich versiegelt, etikettiert und codiert werden. Andere Produkte werden von Hand eingepackt. Zehn Mitarbeitende richten beispielsweise jede Schachtel einzeln auf, setzen das Produkt im richtigen Winkel ein und platzieren ein Accessoire daneben. Damit keine Spuren auf dem hochwertigen Material hinterlassen werden, tragen die Mitarbeitenden Handschuhe. Wir sind fast am Ende des Rundgangs angekommen, passieren aber noch das hauseigene Labor. Die Temmentec AG beschäftigt sich nicht nur mit der Produktion, der Abfüllung und der Verpackung von Produkten, sondern bietet ihren Kunden auch einen Entwicklungs- und Rezepturservice.

Spezialisierung Hochpreis-Kosmetika 

Die Firma war nicht immer ein auf pflegende Kosmetika spezialisierter Lohnhersteller. Ihre Geschichte geht ins Jahr 1914 zurück, als der Drogist Peter Müller in Sumiswald begann, Kosmetika zu vertreiben und zu produzieren. Das Unternehmen wechselte viermal den Besitzer und wurde 1991 in Temmentec AG umbenannt. Seit 2004 gehört sie der Induchem Gruppe und mit ihr erfolgte auch die Neuausrichtung hin zu Pflegekosmetik im Hochpreissegment. «Wir wollten am Standort Sumiswald festhalten. Die ausländische Konkurrenz kann Massenkosmetik billiger produzieren, deshalb mussten wir eine Nische finden. Da die hohe Servicequalität zu unseren Stärken zählt, haben wir uns auf High-End-Kosmetik spezialisiert», sagt Adrian Meyer, COO der Induchem Gruppe. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Etablierung in diesem Markt war die Erweiterung einer bestehenden Partnerschaft mit einem bekannten Namen in der Kosmetikbranche. Neben der Herstellung wird das Produkt neu auch durch die Temmentec AG abgefüllt und konfektioniert. Zur optimalen Erfüllung des Kundenwunsches mussten in den Räumlichkeiten verschiedene Anpassungen vorgenommen werden. Dafür stellte die Firma bei der Credit Suisse Entrepreneur Capital AG einen Antrag. «Das Investment der Credit Suisse Entrepreneur Capital AG nutzen wir für die Finanzierung des neuen Auftrags», sagt Adrian Meyer und blickt auf die Dorfkirche von Sumiswald.