Veröffentlicht: 1. Oktober 2013
MESA Imaging SA

3-D-Kameras, die Kühe melken

Melkroboter, animierte Spiele, die in der Physiotherapie eingesetzt werden, und ein neuartiger Blindenstock haben eines gemein: eine eingebaute 3-D-Kamera. Dahinter steckt die Firma MESA Imaging.

Ist es Zeit gemolken zu werden, geht die Kuh in den Stall. Dort betritt sie die Melkmaschine. Die Melkbecher werden an das Euter geführt. Das Euter wird gereinigt, dann gemolken. Danach geht die Kuh wieder auf die Wiese. Eine ganz normale Szene auf einem Bauernhof. Oder nicht? Manch einer mag sich fragen, wo der Bauer bleibt – er treibt weder die Kühe in den Stall, noch setzt er die Melkmaschine an. Fürs Erstere folgt die Kuh ihrem Instinkt, für Letzteres wird die menschliche Hand durch den Melkroboter ersetzt.

Ein dreidimensionales Bild entsteht 

Der Melkroboter kann den Menschen erst vollständig ersetzen, seit er mit einer 3-D-Kamera ausgerüstet ist. Diese erkennt die Zitze und bestimmt ihre Position, sodass der Melkbecher präzise übergestülpt wird. Ein elektronisches Auge sozusagen. Möglich ist dies, weil jedes einzelne Pixel der Kamera die Flugzeit des Lichtes (englisch: time of flight) misst. Die Pixel messen also, wie lange es dauert, bis das Licht von der Kamera auf das Objekt trifft und von diesem wieder zurückgespiegelt wird. Die Kamera berechnet daraus die Entfernung jedes einzelnen Punktes des Objekts – ein dreidimensionales Bild entsteht. Die Entfernungen werden im Bild in verschiedenen Farben dargestellt. Bewegt sich also ein Objekt auf die Kamera zu, so ändert sich die Farbe, da die Flugzeit des Lichtes immer kürzer wird.

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Ungeahnte Möglichkeiten

Doch der Melkroboter ist nur ein Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten einer 3-D-Kamera. Auch mit dem Einbau in Zugschiebetüren, in Sicherheitsschleusen, interaktiven Spielen in der Physiotherapie oder einem neu entwickelten Blindenstock eröffnen sich mit der 3-D-Kamera neue Horizonte. Und weiteren Anwendungen sind kaum Grenzen gesetzt. Dies erlebt die Firma MESA Imaging. Als Jim Lewis und fünf Ingenieure des Schweizer Forschungs- und Entwicklungszentrums CSEM die Firma MESA Imaging 2006 gründeten, hatten sie noch keine genauen Vorstellungen davon, in welchen Bereichen ihre Erfindung eingesetzt werden könnte. «Wir wollten die Möglichkeiten der Kamera erkunden», sagt CEO Lewis. So stand zu Beginn der Firmengeschichte die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Universitäten im Vordergrund. 2008 wurde dann das erste Produkt lanciert: eine industrietaugliche 3-D-Kamera. «Die Schwierigkeit war, dass die Kamera auch ausserhalb des Labors einwandfrei funktionieren und allen äusserlichen Einflüssen standhalten musste – und dies rund um die Uhr», sagt Lewis. Heute werden die Kameras weltweit in verschiedensten Branchen genutzt. Rund 15 000 Kameras sind bislang vor allem in den Bereichen Transport, Gesundheitswesen und Landwirtschaft im Einsatz.

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Unabhängiges Unternehmen als Ziel 

Alle Kameras von MESA werden in Zürich einzeln zusammengebaut und getestet. Das Unternehmen weiss den Standort Schweiz zu schätzen und will auch daran festhalten. «Leider ist es in der Schweiz eher schwierig, Kapital zu erhalten», sagt Lewis. Deshalb hat sich MESA im Jahr 2012 an die Credit Suisse Entrepreneur Capital AG gewandt. «Mit dem Investment der Credit Suisse Entrepreneur Capital AG hoffen wir, unserem Ziel, 2014 ein finanziell unabhängiges Unternehmen zu sein, einen Schritt näher zu kommen», sagt Lewis. Auf dem Weg dorthin wird weiter ununterbrochen getestet, verbessert und getüftelt. In den Zürcher Büroräumlichkeiten mit hauseigenem Labor spürt man die kreative Atmosphäre – der Raum ist voll von Kamerateilen und anderen technischen Objekten, wie etwa dem Blindenstock mit integrierter Kamera. Im Labor steht auch der Melkroboter. Nur die Kuh, die fehlt.