Autor: Nicola Mohler
Veröffentlicht: 13. Februar 2012
innveri

Nahrung gehört in den Magen und nicht in den Müll

Manfred Jüni, Gründer und CEO von innveri, suchte nach einer Innovation in der Sekundärverpackung. Das Produkt im Bereich der aktiven Verpackung wird im Frühling 2012 lanciert. Davon profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch der Geldbeutel.

Früher ging der homo sapiens zur Nahrungsmittelbeschaffung auf die Jagd oder sammelte, wusste aber nie, was abends dann auf der Steinplatte serviert werden würde. Heute werden die Sinne vor überfüllten Regalen im Lebensmittelgeschäft gereizt. Sammeln wir unser Essen nicht in der offenen Frischabteilung zusammen, jagen wir im Regal nach in Portionen abgepacktem Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Milchprodukten. Doch meist sind diese Mengen für den Einzelhaushalt einfach zu gross oder kleine Verpackungen im Verhältniss überteuert, so dass sie nach erstmaligem Öffnen rasch verderben und im Abfalleimer landen.

Um genauer zu sein, landen jährlich schweizweit Lebensmittel im Wert von ca. 4 Milliarden Franken im Haushaltsmüll was rund 1050 Franken pro Haushalt entspricht. Zudem sind gut 50 Prozent des Haushaltmülls Lebensmittelverpackungen welche oft nur als Dekoration oder Werbung gelten. Dies entspricht pro Jahr einem Volumen von 3.6 Millionen Tonnen oder 450 kg pro Einwohner an Lebensmittelverpackungsabfall.

Aktive Verpackung macht Lebensmittel länger haltbar

Mit einem neuen Verpackungs-System des seeländischen Jungunternehmens innveri das im Frühling 2012 via Retail und Direktvertrieb auf den Schweizer Markt kommen wird, sind Lebensmittel in Zukunft optimal vor Keim- und Bakterienwachstum geschützt, behalten ihre optischen und qualitativen Eigenschaften und sind somit länger haltbar. Im Vergleich zu herkömmlichen Aufbewahrungsmethoden kann die Nahrung 2 bis 20 Mal länger konsumiert werden. Was wiederum dazu führt, dass die Nahrung statt im Müll tatsächlich im Magen landet. Ein wichtiger Beitrag also, Abfall zu reduzieren.

Das Verpackungs-System von innveri kann bei Frischware, geöffneten Verpackungen und gekochter Nahrung angewendet werden. Die Innovation am Produkt ist einerseits, dass die aktive Verpackung, die bis anhin nur in der Industrie angewendet worden ist, den Haushalten auf einfache Art und Weise zugänglich gemacht wird, und anderseits durchwegs abfallfrei und stromlos einzusetzen ist. Innveri bietet eine neue Lösung der Sekundärverpackung, die sich bis anhin auf einfache Varianten wie Alufolie, Tupperware oder Plastiksäckchen beschränkte. "Wichtig im Produktkonzept ist, dass der Kunde bei der Anwendung des neuen Verpackungs-System ihm bekannte Elemente wiedererkennt, die Weltneuheit kinderleicht und ohne grossen Zeitaufwand einzusetzen ist und das Ganze als hochwertige sowie trendige Systemlösung und nicht als Einzelprodukt funktioniert“, betont Manfred Jüni. Als Beispiel sei das System Nespresso genannt, bei welchem hochwertige Produkte, Kundenservice und Kundenbindung zentrale Elemente darstellen.

Ziel der Selbstständigkeit und des Unternehmertums vor Augen

Begonnen hat alles vor sechs Jahren, als Manfred Jüni an der Fachhochschule Fribourg Ingenieurwissenschaften und Maschinenbau studierte. Als Student ernährte er sich häufig von Fertiggerichten, sprich vorgekochter Nahrung, die nur noch erwärmt werden muss oder vorbereiteter Nahrung wie z.B. bereits geschnittener und gewaschener Salat.

Diese Nahrungsmittel optimal abgepackt zu kaufen und pfannenfertig zu konsumieren, gab Manfred Jüni eines Tages den Ansporn sich zu überlegen, ob es möglich wäre, allgemein die Verpackungen nach dem Öffnen wieder so zu verschliessen, wie wir sie vom Nahrungsmittelgeschäft nach Hause genommen haben. Oder im Weiteren frische oder gekochte Lebensmittel so abzupacken wie wir sie heute tagtäglich im Regal schmackhaft vorfinden. So wurde die Idee des im Frühling auf den Markt kommenden Produktkonzepts geboren und die Geschichte von innveri und den damit verbunden Traum der Selbstständigkeit und Unternehmertums nahm seinen Lauf.

Heute, sechs Jahre später, hat innveri seinen Sitz in Murten auf dem Roland Backwaren Areal. Zwar werden die Salzstangen und das Zwieback noch in einem Gebäude auf dem Areal produziert, viele seiner Büroräumlichkeiten hat Roland jedoch verlagert. So kam es, dass Jungunternehmer Jüni hier für innveri Platz fand. Der 28 jährige beschäftigt vier Angestellte und teilt das Büro mit seinem Bruder, ebenfalls Jungunternehmer und Mitinhaber der MJ2B Architekten AG, der gelegentlich bei grafischen Herausforderungen zur Seite steht.

Eine emotionale Zeit steht innveri bevor. Die Idee, für die sich Manfred Jüni über Jahre unermüdlich eingesetzt hat, wird bald in den Regalen auserlesener Geschäfte stehen. Früh fand Manfred Jüni beim Institut IVE, Institute for value-based enterprise in Fribourg, Unterstützung. Seit gut drei Jahren begleiten ihn Claude Piccot und Osama Rifai, Referenten des Instituts. Claude Piccot ist heute Verwaltungsratspräsident und Osama Rifai CFO der innveri AG. Weitere Unterstützung fand Manfred Jüni auch bei der Noventa AG in Diepoldsau, die heute der Hauptproduktionspartner von innveri ist.

Ein langer Weg mit grossen Herausforderungen, Höhen und Tiefs wurde durchlaufen. "Nebst den technischen Aspekten war eine der grössten Herausforderungen die Sicherung der Finanzierung und die damit verbundene Überzeugungsarbeit. In diesem Bereich ist in der Schweiz und im Kanton noch Handlungsbedarf. Die aktive Förderung von Jungunternehmen in der Frühphase mit Startkapital durch den Staat zur Förderung vom Unternehmertum und Schaffung von Arbeitsplätzen sollte stark ausgebaut werden. Dies um an einem späteren Zeitpunkt und erzieltem Fortschritt an privatwirtschaftliche Institutionen oder Investoren gelangen zu können", betont Jüni.

Der Litteringproblematik in den Städten entgegenwirken und Abfall reduzieren

Während sich Manfred Jüni in der interessanten und teils sehr hektischen Lancierungsphase des neuen Verpackungssystems befindet, ist innveri auch an einem Projekten mit der Stadt Bern als Pilotstadt involviert, das die Reduktion von Wegwerfgeschirr der Take Aways zum Ziel hat. Hiermit soll in einem zweiten Schritt schweizweit die Litteringproblematik in den Städten und die damit verbundenen Abfallberge reduziert werden. Einen kleinen Schritt zur Entlastung unsere Mutter Erde, die wir jährlich mit unzähligen Millionen Tonnen Müll belasten.