Autor: Véronique Tièche
Veröffentlicht: 17. Juli 2012
CES Creative Electronic Systems

Platinen für Industriegiganten

Die CES Creative Electronic Systems ist einer der weltweit führenden Teilezulieferer für die Luftfahrtindustrie. Mit komplexen Hochleistungsplatinen hat sich die Firma im Nischenmarkt der elektronischen Technologien für die zivile und militärische Luftfahrt behaupten können.

Die Wurzeln der CES SA liegen in der Physik, genau genommen in der Region Genf: beim CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung. Dort entwickelten 1981 drei Physiker im Rahmen ihrer Experimente Steuerplatinen für die Datenübertragung. Im Lauf der Jahre gewann die CES ausserhalb des CERN Kunden aus der Telekommunikationsbranche, bevor sie rund 20 Jahre später von MRV, einem amerikanischen Unternehmen, das hauptsächlich im Bereich der optischen Kommunikation tätig ist, übernommen wurde. Der Beginn des zweiten Jahrtausends ging für die CES mit einer neuen, auf Diversifikation ausgerichteten Strategie einher: Neu orientierte sich das Unternehmen – nun als Tochtergesellschaft – in Richtung Luftfahrtbranche (Mil/Aero) und stützte sich dabei auf seine Kompetenzen in der Herstellung von Platinen und auf bereits vorhandene Technologien. Unzählige Arbeitsstunden und viel PR waren vonnöten, um die EN9100-Qualitätsaudits für Luftfahrtunternehmen zu bestehen und die ersten Verträge abzuschliessen.

Die neue Strategie hat sich gelohnt

Durch diese neue, erfolgreiche Strategie entfernte sich die CES nach und nach von den Kernaktivitäten der Muttergesellschaft, sodass 2011 der Verkauf des Unternehmens anstand. Dieser wurde nun 2012 mit der Übernahme des Kapitals durch drei Schweizer Finanzinvestoren realisiert: die Credit Suisse Entrepreneur Capital AG, die Vinci Capital Switzerland SA und die Capital Transmission SA. Aktuell bietet die CES zwei grosse Produktlinien an. Es handelt sich dabei einerseits um Standard platinen, eine Art Hochleistungsbauteile. Ob Prozessorkarten, Schnittstellenkarten, Netzwerk- oder Grafikkarten: Das Unternehmen übernimmt deren Design, Herstellung und Zusammenbau. Andererseits können die Platinen auch zu Komplettsystemen zusammengesetzt werden. So bietet die CES verschiedene Systeme an, etwa Flugcomputer, die die höchsten Sicherheits- und Zuverlässigkeitsstandards für die Überwachung von Flugdaten erfüllen, oder Missionscomputer mit Verbindung zu Spezialsensoren, die zum Beispiel Fotos oder Videos aufnehmen. Diese verschiedenen Technologien werden sowohl in Zivil- als auch in Militärflugzeugen eingesetzt. Ein Beispiel dafür sind die von der CES hergestellten Signalverarbeitungssysteme, die primär in Überwachungsradarsystemen für Flughäfen und Grenzanlagen eingesetzt werden.

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Diversifikation auf mehreren Ebenen

Die CES möchte mit einem aus Unternehmern bestehenden Verwaltungsrat und einer neuen Aktionärsstruktur das nächste Kapitel ihrer Geschichte schreiben. Während die Aktivitäten in den Bereichen Physik und Telekommunikation heute nur noch geringe Bedeutung haben, konzentriert sich das Unternehmen vor allem auf den Bereich "Luftfahrt und Verteidigung". Der Umsatz des Unternehmens liegt zwischen 25 und 30 Millionen Schweizer Franken und entfällt zu gleichen Teilen auf die Hauptkunden in den Vereinigten Staaten (L3 Communications) und in Europa (EADS Europe). Hervé Garchette, CEO der CES, betont: "Wir müssen unser Produktportfolio erweitern und unsere Kundenbasis sowie die Marktpräsenz ausbauen." Die CES hat hier vor allem die BRIC-Staaten im Visier und setzt so auf Handelsvertreter und Vertriebspartner, aber auch und vor allem auf die Kompetenzen der wissenschaftlichen Mitarbeitenden.

Eine Heerschar von Ingenieuren

Das Unternehmen unterhält enge Beziehungen zu den Universitäten und Hochschulen in der gesamten Region, um qualifizierte Mitarbeitende für sich zu gewinnen, die für das Wachstum des Unternehmens unerlässlich sind. Von den rund hundert Mitarbeitenden haben etwa drei Viertel eine technische Ausbildung im Ingenieurwesen, oft bis zum Doktortitel. Jedes Jahr beteiligt sich das Unternehmen an der Ausbildung von fünf bis sechs studentischen Praktikanten. Das Forschungs- und Entwicklungsteam in der Schweiz arbeiten zu lassen hat jedoch seinen Preis. Dennoch sprechen die Nähe zu den Hochschulen, das Image der Schweiz als Qualitätsstandort, die historischen Verbindungen zum CERN und die Neutralität des Landes für den Firmensitz im Kanton Genf. Mit fast zwanzig Nationalitäten bietet das Unternehmen ein äusserst multikulturelles Umfeld. Die CES-Technologie ist das Element, das die Mitarbeitenden antreibt, den Markt anteil der Firma auszubauen – im Wettbewerb mit amerikanischen Unternehmen, die oft zehn Mal grösser sind als die Firma aus Lancy.

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Wirtschaftliche und politische Herausforderungen

Die CES exportiert ihre Produkte zu 100 Prozent. Die jüngsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten führten zu einem Rückgang der Aktivitäten bei den Kunden und beeinträchtigten auch die CES. Das Unternehmen steht in Verbindung mit Armasuisse, der Behörde, die vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport mit der Beschaffung und dem Ersatz der Tiger F5 beauftragt wurde. Die politische Situation in der Schweiz ist aber bei solchen Grossprojekten eine weitere Unwägbarkeit, die diese einzigartige Chance für die Schweizer Industrie hemmt. Doch der Weltmarkt ist gross und der Marktanteil der CES weist Wachstumspotenzial auf. Bestimmte Bereiche der Luftfahrtindustrie wie ISR (Intel ligence, Surveillance and Reconnaissance) dürften in Zukunft stark wachsen. Abgesehen von diesen Herausforderungen vertraut die CES weiterhin auf ihr Fachwissen und ihre hundertprozentig schweizerischen Lösungen, damit der Firmen name stets mit renommierten Kunden und Projekten verbunden bleibt.