Autor: Dorothee Enskog
Veröffentlicht: 21. Mai 2013
Bäckerei-Konditorei Hug AG

Seit fünf Generationen erfolgreich

Die in Luzern ansässige Bäckerei ist bekannt für ihr Luzerner Sauerteigbrot. "Unsere Bäckerei floriert, weil jede Generation sich auf ihre Tradition besonnen hat, aber auch mit der Zeit gegangen ist", erklärt Geschäftsführer Paul Philipp Hug den Erfolg des Unternehmens.

Während viele Bäckereien schliessen müssen, ist die Bäckerei Hug auf Expansionskurs. Laut Daten des Schweizerischen Bäcker- und Konditorenmeisterverbandes ist die Zahl der Verkaufsstellen von Bäckereien über die letzten zehn Jahre insgesamt Schweiz weit um fast 20 Prozent zurückgegangen.

"Jede nachfolgende Generation hat versucht, das Unternehmen von Grund auf zu erneuern und die Herausforderungen ihrer jeweiligen Zeit anzunehmen", erklärt Paul Philipp Hug den Erfolg der vor 136 Jahren vom Ur-Urgrossvater Joseph Hug-Meyer gegründeten Bäckerei. "Tradition in Verbindung mit Innovation ist vermutlich ein wesentlicher Teil unseres langfristigen Erfolges."

Aus der Beratung ins Backwarengeschäft

Paul Philipp Hug übernahm 2009 im Alter von 31 Jahren die Leitung des Unternehmens von seinem Vater in fünfter Generation. "Ich wollte Handlungsfreiheit, um selbst über die langfristige Entwicklung des Unternehmens entscheiden zu können", so der Jungunternehmer, der bis dahin als Berater bei der Boston Consulting Group tätig war. "Es war die Chance meines Lebens – eine Chance, wie nur wenige Menschen sie je erhalten. Die konnte ich mir einfach nicht durch die Lappen gehen lassen. Deshalb beschloss ich, die Herausforderung anzunehmen." Seither sieht er seine Aufgabe darin, den Bäckereibetrieb ins 21. Jahrhundert zu führen – insbesondere durch Investitionen in neue Maschinen, Straffung der Geschäftsabläufe, Einführung eines neuen Informations-Systems und die Modernisierung der verwendeten Informations- und Kommunikationstechnologien.

"Wir haben auch unser Marketing verbessert und beispielsweise das Firmenlogo modernisiert und neue Produktmarken eingeführt", ergänzt Paul Philipp Hug. Zu den weniger angenehmen Aufgaben zählte die Schliessung unprofitabler Filialen. "Die Gewinnspannen im Backwarengeschäft sind über die letzten zwei Jahrzehnte drastisch geschrumpft. Das Ess- und Einkaufsverhalten hat sich grundlegend gewandelt; deshalb haben wir stattdessen neue Filialen an zentralen Standorten, wie etwa in Bahnhöfen eröffnet."

1000 Produkte im Angebot

Mehr als 1000 verschiedene Produkte stellt die Bäckerei Hug her, wobei das Angebot über das Jahr hinweg variiert. "Wir backen Brot und Zöpfe und stellen Schokolade, Süssgebäck und Wähen her. Unser bekanntestes Produkt ist jedoch das Luzerner Sauerteigbrot, ein zweigeteilter dunkler Brotlaib. Vor zwei Jahren haben wir ausserdem die Marke ‘Grobian’ angemeldet; ein neues langhaltendes Sauerteigbrot, das ohne Hefe gebacken wird und nur aus Biomehl, Wasser und Meersalz besteht. Seine Herstellung dauert 72 Stunden", erläutert Paul Philipp Hug. "Um in einer Kleinstadt wie Luzern zu überleben, müssen wir ein breites Produkteangebot bieten, damit wir die Wünsche aller Kundensegmente erfüllen können." Das Unternehmen betreibt derzeit 20 Filialen, darunter sechs Cafés und Restaurants, die zwei Drittel des Umsatzes der Bäckerei Hug erwirtschaften. Das verbleibende Drittel entfällt auf Lieferungen an Spitäler und Kantinen, Detail- und Grosshändler sowie Kunden aus der Gastronomie. Mit ihren mehr als 150 Geschäftskunden, die sie täglich beliefert, zählt die Bäckerei Hug zu den zehn grössten gewerblichen Bäckereien der Schweiz. Das Unternehmen beschäftigt 30 gelernte Bäcker. Die Mehrzahl der 280 Mitarbeitenden der Bäckerei sind jedoch als Verkäufer in den Filialen tätig.

Kritische Masse nur durch Expansion zu erreichen

Grösse ist in der Backwarenindustrie von entscheidender Bedeutung, und mit einem jährlichen Umsatz von 30 Millionen Schweizer Franken erreicht die Bäckerei Hug noch nicht ganz die erforderliche kritische Masse. "Das ist der Grund, warum wir eine Finanzierungsanfrage bei der Credit Suisse Entrepreneur Capital AG eingereicht haben. Wir setzen die Mittel ein, um unser Wachstum voranzutreiben", betont Paul Philipp Hug. Das Unternehmen ist derzeit in vier Kantonen präsent: Luzern, Nidwalden, Zug und seit 2013 auch in Zürich. Neben der Neueröffnung bei der Schmiede Wiedikon im Mai 2013 plant der Unternehmenschef für die kommende Jahre vier weitere Filialen in der Stadt. "Der Markt in Zürich ist viel grösser als in anderen Kantonen. Deshalb wollen wir hier expandieren und suchen zur Zeit weitere geeignete Standorte ", erläutert Paul Philipp Hug seine Pläne. Ein weiteres Wachstumsprojekt ist die im April 2013 angekündigte Vertriebspartnerschaft mit der Pistor AG, einem führenden Handelsunternehmen für die Bäcker-Konditor- Confiseur-Branche und ein bedeutender Grosshändler im Gastronomiebereich. "Diese Kooperation verschafft uns Zugang zu vielen neuen Kunden im ganzen Land und wird uns gleichzeitig helfen, die Kosten in der Tiefkühllogistik zu senken", ist Paul Philipp Hug überzeugt. Mit Hochdruck treibt die Bäckerei Hug deshalb den Ausbau ihres Vertriebsteams voran, um auf die zusätzliche Nachfrage reagieren zu können, die sie sich von dieser Partnerschaft verspricht.