Veröffentlicht: 1. Oktober 2013
Asic Robotics AG

Roboterstrassen aus Burgdorf

Wie entsteht aus vielen kleinen Einzelteilen die Fensterheber-Anlage eines Autos? Die Asic Robotics AG plant und baut für Kunden aus verschiedenen Branchen Produktionsstrassen, die mit hoch spezialisierten Automaten solche Aufgaben lösen.

Ein Geräuschteppich aus monotoner Lüftung, hydraulischem Zischen und unregelmässigem Klopfen empfängt den Besucher in der Fertigungshalle der Asic Robotics AG in Burgdorf. Zu sehen sind mehrere Produktionsstrassen im Bau, von denen eine gerade in der abschliessenden Testphase steckt. Sie besteht aus aneinandergereihten, rechteckigen Zellen mit geschlossenem Unterbau. Auf Tischhöhe sind die Elemente zu einer durchgehenden Strasse verbunden und hier wird es richtig spannend: Weisse, bewegliche Arme, deren elegante Bewegungen an ein Roboterballett erinnern, greifen nach kleinen Metall- und Kunststoffteilen und setzen sie zu einer Scheibe mit unterschiedlich erhöhten Stellen zusammen. Dazu bewegen sich sorgfältig gebündelte Kabel und Schläuche, Metall- und Kunststoffteile im Takt der Roboterarme – fast wie bei einer futuristischen Lego-Anlage. Dass diese Assoziation nicht ganz abwegig ist, bestätigt der Geschäftsführer Flavio Motta: «Wir machen eigentlich nichts anderes, als Lego-Klötzchen intelligent zu kombinieren und geschickt zusammenzubauen.» Was anschaulich tönt, ist in der Realität sehr komplex: Seit nunmehr 18 Jahren entwickelt Asic Sondermaschinen oder Prototypen, hoch spezialisierte Automaten, die eine Vielzahl von Einzelbestandteilen zu einem grösseren Ganzen zusammenfügen. Dies in vielen Fällen für die Automobilbranche, aber auch für andere Bereiche wie beispielsweise die Medizinal- und Haustechnik oder die Verpackungsindustrie. Das Unternehmen baut allerdings nicht nur strassenartige Anlagen, sondern ebenso Rundtische und Elemente für die manuelle Fertigung, die alle auch miteinander kombiniert werden können.

Hartnäckige Tüftler und Planer 

Die Geschichte der Asic Robotics AG beginnt 1995, als sich die beiden Firmengründer, Paul Beutler und Flavio Motta, in einer ausgedienten Käsefabrik in Burgdorf einmieten. Das Unternehmen wächst von Anfang an kontinuierlich und 2005 ist die Zeit reif für einen Neubau, der mehr Platz bieten und die Firma adäquat repräsentieren soll: «Mit einem eigenen Gebäude kann man einer Firma ein Gesicht geben», begründet Motta den Entscheid von damals. Heute arbeiten rund 80 Personen für Asic, zusammen mit den drei Tochterbetrieben zählt das Unternehmen 170 Angestellte. Im Bereich Automation bildet Asic jedes Jahr zwei Lehrlinge aus, denn Motta ist überzeugt: «Wir profitieren von Leuten, die gut ausgebildet wurden, und es bedeutet uns viel, dies ebenfalls weitergeben zu können.» Etwas vom Wichtigsten, das auch den Lernenden vorgelebt wird, ist der hohe Stellenwert der Planung. Dieses Stichwort fällt im Gespräch mit Flavio Motta immer wieder und er erläutert: «Bei einem neuen Auftrag führen wir am Anfang intensive Gespräche mit dem Kunden. Wir sind in dieser Phase sehr gründlich – oftmals geradezu hartnäckig – denn unserer Ansicht nach sollten sämtliche Probleme gleich zu Beginn gelöst werden und nicht erst, wenn man den Auftrag bereits in der Tasche hat.» Seine Haltung verdeutlicht er mit einem Bild aus dem Sport: «Einen Marathon gewinnt man auch nicht mit dem Spurt auf den letzten 300 Metern.»

Schweizer Nachfolgelösung 

Eine weitere Stärke von Asic besteht in der Effizienz und Flexibilität seiner Lösungen. Durch die vielen bereits gebauten Roboter und Maschinen ist eine Art Baukasten-Set entstanden, dessen Teile sich immer wieder neu kombinieren lassen und zusammen mit weiteren Erfindungen einzigartige Resultate liefern. «Zudem», so Motta, «ist es wichtig, immer über den gewohnten Horizont hinaus denken zu können – ebenso wie es für diesen Beruf eine gewisse Beharrlichkeit und eine Liebe zum Tüfteln braucht.» Dass sich gerade die Region Bern/Solothurn zu einer Hochburg der Automatik- und Robotikbranche entwickelt habe, sei kein Zufall: «Die Menschen hier geben nicht so schnell auf. Sie halten durch, bis eine Maschine läuft. Und wenn eine Anlage fertig ist, dann spricht jeder, der Planer, der Konstrukteur, der Softwareverantwortliche, der Elektroplaner und der Monteur, von “seiner“ Maschine.» Die starke lokale Verankerung des Unternehmens bewog die beiden Firmengründer denn auch, für ihre Nachfolge eine Schweizer Lösung zu suchen. Eine Investorengruppe aus drei Parteien, darunter auch die Credit Suisse Entrepreneur Capital AG, übernimmt nun die Aktien der Asic: «Eine Schweizer Lösung war uns wichtig», begründet Flavio Motta diesen Schritt, «denn bei unseren Stärken handelt es sich um spezifische Schweizer Tugenden.» Die Nachfolgergruppe will das Unternehmen unverändert weiterführen. Und so werden in Burgdorf weiterhin Sondermaschinen geschaffen für Produkte wie Fensterheber, die wir im Alltag zwar regelmässig nutzen, von denen wir jedoch meist keine Vorstellung haben, auf welch komplexe Art und Weise sie entstanden sind.