Autor: Regula Brechbühl
Veröffentlicht: 17. Juli 2015
Aeschbach Chocolatier

Von der Kakaobohne zum Praliné

Wer kennt ihn nicht, den goldenen Riesenschoggitaler? Dessen Hersteller Aeschbach Chocolatier aus der Innerschweiz ist aber schon lange auch bekannt für viele seiner anderen hochwertigen Produkte.

Sie haben bestimmt bereits Aeschbach-Schokolade verkauft. Oder kamen Sie in der Schule umhin, mit dem Karton vor dem Bauch die goldenen Schoggitaler an den Mann und die Frau zu bringen? Und fast sicher haben Sie Aeschbach-Produkte auch schon mal genossen – nur wussten Sie es vielleicht nicht. Denn der Hersteller von feinsten Schokolade spezialitäten produziert nicht nur Werbeschokolade wie die bekannten Riesengoldstücke, sondern beliefert schweizweit auch Konditoreien, Bäckereien und Confiserien. Seine Spezialitäten verkauft er auch in eigenen Läden. Die hochwertigen Produkte stellt Aeschbach in der Firma in Cham her – noch jedenfalls.

Osterhasen auf Kundenwunsch auch an Weihnachten

Die Türe zur Produktionshalle schwingt auf, vor uns steht der Traum eines jeden Kindes: Meterhohe Tänke, in denen lange Metallarme wie in riesigen Teetassen flüssige Schokolade umrühren – man möchte fast den Sprung ins klebrige Bad wagen. "Bis zu sieben Tonnen Schokolade finden Platz in diesen Behältern", erklärt Markus Aeschbach, Inhaber und Geschäfts führer des Familienunternehmens Aeschbach Chocolatier. "Je nach Kundenwunsch verarbeiten wir weisse, schwarze, braune oder auch Bioschokolade. Sie wird bereits flüssig angeliefert und hier in der perfekten Temperatur gehalten." Die wummernden Maschinen vertreiben die Phantasien schnell, es geht weiter in den Nebenraum, wo eine schon etwas betagte Anlage einen grossen Schokoladeteppich herstellt, aus dem die besagten Schoggitaler ausgestanzt werden.

Die Maschine dafür stammt ursprünglich aus Bern von der Firma Chocolat Tobler. "Die meisten Maschinen hier sind 50 oder gar 60 Jahre alt, aber sie funktionieren sehr gut, und weil unsere Produktion nicht technologielastig ist, gibt es keinen Anlass, sie auszuwechseln", meint Aeschbach.

Im höher gelegenen Stock gehts weiter. Dort findet etwa die Osterhasenproduktion statt. Speziell ausgebildete Mitarbeitende "schminken" die Hasenformen – sie malen mit ruhiger und geübter Hand in der Form Einzelheiten wie Augen aus. Anschliessend giesst die Anlage die flüssige Schokolade in die Formen. Die gesamte Produktion kann innerhalb einer halben Stunde umgerüstet und umkonfiguriert werden. Wünscht sich also ein Kunde im Hochsommer 150 Samichläuse, kann Aeschbach diese innerhalb von Tagen liefern. "Diese Mischung aus halbindustriell und handwerklich ist eine tägliche Herausforderung, die uns aber als Firma ausmacht und einmalig ist auf dem Markt. Wir erhalten uns so die Flexibilität und das Handwerk von einem Confiseur, erreichen aber die Menge und Geschwindigkeit einer Fabrik", führt der Geschäftsführer aus. Er öffnet nun die Tür zu einem Raum, in dem man sich problemlos einen Tag lang einschliessen lassen würde: Gestelle, von unten bis oben mit fertigen Pralinés und Truffes gefüllt. Schokolade, so weit das Auge reicht! Die Erlösung naht aber, es darf probiert werden: Pralinés direkt von der Maschine in den Mund, frischer gehts nicht. Denn grad nebenan sind die Confiseure am Werk, mischen nach Aeschbach-Rezepturen für Pralinés und Truffes Füllungen, die dann in die Hohlkörper gegossen werden. Einige werden danach noch individuell gestaltet, etwa mit kleinen Kantonswappen versehen.

"Wir stellen viele Produkte für Werbezwecke her, zum Beispiel Logos oder Give-aways wie für diesen Pneuhändler, der ein Schokoladerad gewünscht hat. Das wird alles auch bei uns nach Wunsch verpackt", erklärt Aeschbach und führt uns in einen Raum, in dem sich Material wie Glanzpapier in Dutzenden verschiedenen Farben stapelt. Wir befinden uns mittlerweile zuoberst im Gebäude.

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Chocodromo: Wo Schokolade herkommt und hingeht

"Wie man sieht, sind wir räumlich inzwischen total verteilt auf verschiedenen Stockwerken. Mein Vater hat das heutige Gebäude 1978 bezogen, damals hat er nur Fertigprodukte wie Pralinés und Truffes produziert." Der Unternehmer erklärt weiter: "Ich habe 2003 das Geschäft übernommen und erkannt, dass die gesamte Produktion und deren Ablauf reorganisiert werden muss und dass die jetzigen Räumlichkeiten keinen optimalen Produktionsablauf mehr erlauben." So hat er 2010 angefangen, Land für einen neuen Standort zu suchen und dieses auch im mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Auto gut erreichbaren Root im Kanton Luzern gefunden. Gute Erreichbarkeit ist sehr wichtig, denn in Root soll nicht nur die optimierte Produktion, sondern eine ganze Erlebniswelt für Interessierte entstehen.

Das Chocodromo zeigt den faszinierenden Weg von der Kakaobohne bis zu den fertigen Schokoladeprodukten, und zwar nicht nur in Bild und Text, sondern auch live: So können die Besucher über eine Galerie schlendern, die freie Sicht hinunter auf die Produktion bietet und mit attraktiv aufbereiteten Informationen zu den einzelnen Verarbeitungsschritten aufwartet. Die Ent stehung der verschiedenen Schokoladespezialitäten in dieser Vielfalt so detailliert mitverfolgen zu können, ist einmalig in der Schweiz. Daneben sollen auch Events nach Bedürfnis angeboten werden; von Kinder geburtstag feiern über Osterhasen selber giessen wird alles möglich sein. Aeschbach: "Das neue Gebäude ist aber auch so konzipiert, dass wir die Räumlichkeiten je nach Thema, Saison und Gruppe umgestalten können. Wir werden dort über Seminareinrichtungen und -räume für Firmen und Private verfügen, man kann sogar das ganze Gebäude für einen Anlass mieten."

Auch ein Catering soll zur Verfügung stehen nebst dem hauseigenen Café mit gehobenem Take-away. Das Eventmanagement ist schon jetzt gefordert, weil sich bereits mehr als 1000 Besucher angemeldet haben. Gerechnet wird mit 50'000 pro Jahr, es könnten aber auch doppelt so viele werden. "Die grosse Herausforderung bestand also in einer Planung, die dem möglichen Besucheransturm gerecht werden kann", erinnert sich Aeschbach. "So haben wir vorgesorgt: Bei Bedarf bauen wir zwei weitere Stockwerke aus. Und wir zählen auf die Flexibilität unserer Angestellten." Die mehr als 50 teilweise langjährigen Mitarbeitenden werden ab September 2012 alle auch am neuen Arbeitsort tätig sein. Der vorgesehene Sieben-Tage-Betrieb schafft sogar noch neue Arbeitsplätze.

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Wachstum dank Herzblut und Ideenreichtum

"Frische, einmalige Rezepturen, Handwerk und beste Ingredienzen stehen seit je hinter unseren Produkten. Mit dem Chocodromo wollte ich nun aber einen Schritt nach vorn wagen und unsere Marke auch zeigen – und erlebbar machen." Aeschbach kämpft nicht um jeden Preis, sondern mit viel Herz, innovativen Ideen und Qualität für Wachstum. Und er traf mit dieser Haltung auf offene Türen bei der Credit Suisse Entrepreneur Capital AG, die mit dem Investment die weit ere Wachstumsphase überhaupt ermöglichte. "Dank der Credit Suisse Entrepreneur Capital AG blieb die Liquidität und damit die operative und finanzielle Handlungsfähigkeit erhalten, was für uns als Unternehmen entscheidend war." Überhaupt habe er die Zusammenarbeit bisher als sehr gut, unternehmerisch denkend und weniger formalistisch erlebt, als man es sonst kenne, meint Aeschbach. "Es wurde auf Unternehmerebene mitgedacht. Nicht nur die nackten Zahlen, sondern auch weiche Faktoren wie Unternehmergeist und Agilität zählten. Und die Erfahrung der Credit Suisse Entrepreneur Capital AG mit den verschiedensten Firmen kam auch mir zugute und liess mich pragmatisch und ruhig bleiben." Mittlerweile sind wir im hauseigenen Laden angelangt, wo das kindliche Bedürfnis nach dem Einpacken des halben Ladens zwar nicht gestillt werden kann – aber die vielen feinen Produkte, die es zum Probieren gibt, tun ihr Bestes. Und wirklich, eine weitere Probe aufs Exempel beweist es: In dieser Schokolade muss sehr viel Herzblut und Leidenschaft stecken.